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Statisches vs. dynamisches Schießen – Unterschied einfach erklärt

Aktualisiert: 5. Sept.

Stellen Sie sich vor: Sie stehen ruhig am Schießstand, die Waffe fest im Anschlag, und konzentrieren sich ganz auf das Ziel – statisches Schießen in Reinform. Plötzlich ertönt ein Signalton: Sie ziehen die Pistole, sprinten ein paar Schritte nach vorn, feuern Schüsse auf mehrere Ziele ab, wechseln das Magazin und treffen im Laufschritt weitere Scheiben – das ist dynamisches Schießen. Beide Formen des sportlichen Schießens haben ihren eigenen Reiz und erfordern unterschiedliche Fähigkeiten. In diesem Beitrag erklären wir verständlich und praxisnah, worin die Unterschiede zwischen statischem und dynamischem Schießen liegen, und geben konkrete Beispiele aus Disziplinen mit Kurzwaffen, Langwaffen und Schrotflinten bei Verbänden wie dem Deutschen Schützenbund (DSB), dem Bund Deutscher Sportschützen (BDS) und der International Practical Shooting Confederation (IPSC). Anmerkung: Die IPSC – International Practical Shooting Confederation – gilt weltweit als Maßstab für dynamisches Schießen. Im Mittelpunkt stehen die drei Prinzipien Präzision, Kraft und Schnelligkeit („Diligentia, Vis, Celeritas“). Bei IPSC-Wettkämpfen müssen Schützen auf einem Parcours mehrere Ziele in unterschiedlicher Entfernung und Position unter Zeitdruck bekämpfen – eine Kombination aus Technik, Taktik und Geschwindigkeit. Viel Spaß beim Lesen – und Gut Schuss!


Was versteht man unter statischem Schießen?

Beim statischen Schießen steht die Präzision an erster Stelle. Der Schütze verbleibt während der Schussabgabe an einem festen Platz ohne sich zu bewegen. Meist wird auf ein statisches Ziel in festgelegter Entfernung geschossen. Eine Zeitmessung fließt dabei nicht in die Wertung ein – es gibt allenfalls ein großzügiges Zeitlimit für eine Serie von Schüssen. Die Bewertung erfolgt hauptsächlich über die Ringzahlbeziehungsweise Trefferpunkte auf der Scheibe. Statisches Schießen erfordert Ruhe, Konzentration und saubere Technik, da jeder Schuss möglichst die Zehn (die Mitte der Scheibe) treffen soll.


Typische Beispiele für statische Schießsportdisziplinen sind unter anderem:


  • Kurzwaffen: 25-Meter-Präzisionsschießen mit der Pistole (z. B. die Disziplin 25m im DSB oder BDS). Hier schießen Sie aus 25 m Entfernung auf Ringscheiben, stehend an einer festen Feuerlinie. Ein Beispiel ist die olympische Sportpistole .22 im DSB, bei der in Serien à 5 Schuss präzise ins Ziel getroffen wird. Auch Großkaliber-Kurzwaffen werden statisch geschossen – etwa in der BDS-Disziplin 25m Dienstpistole, wo ebenfalls aus fester Position auf eine Präzisionsscheibe angelegt wird.

  • Langwaffen: Kleinkaliber- und Großkaliber-Gewehrschießen auf Distanzen von 50 m, 100 m oder mehr. Im DSB gehören hierzu etwa das 50m Kleinkaliber liegend oder 100m stehender Anschlag, klassisch auf Ringscheiben. Im BDS gibt es ebenfalls viele statische Gewehrdisziplinen – von 50m Präzision bis hin zum 300m Schießen. Die Schützen liegen, sitzen oder stehen dabei in definierter Position; Hilfsmittel wie Schießjacken oder Auflagen können zugelassen sein. Das Ziel ist maximale Treffgenauigkeit, nicht Geschwindigkeit.

  • Schrotflinten: Wurfscheibenschießen wie Trap und Skeet zählt im weiteren Sinne ebenfalls zum statischen Schießen. Zwar bewegen sich hier die Tontauben (Wurfscheiben) rasant durch die Luft, aber Ihr Standpunkt bleibt fix. Beim Trap- und Skeet-Schießen (olympische Flinten-Disziplinen, im DSB und BDS nach DJV-Regeln) stehen die Schützen auf vorgegebenen Positionen und versuchen, die wegfliegenden oder quer fliegenden Scheiben mit Schrot zu treffen. Die Zeit spielt auch hier keine direkte Rolle – entscheidend ist, ob die Scheibe getroffen wird (Treffer oder Fehlschuss).


Wie man sieht, zeichnen sich statische Disziplinen durch einen festen Ablauf und klar definierte Bedingungen aus. Distanzen und Ziele sind standardisiert, und der Wettkampf ist planbar: Man weiß genau, was einen erwartet. Verbände wie der DSB konzentrieren sich größtenteils auf statische Disziplinen im Schießsport – von Luftgewehr 10 m über Kleinkaliber-Gewehr 50 m bis zur Freien Pistole 50 m und den diversen Pistolen- und Gewehrdisziplinen auf 25 m bzw. 100 m. Hier steht die Traditionspflege und Präzisionsleistung im Vordergrund. Aber auch der BDS als moderner Verband bietet statische Präzisionsdisziplinen an, z. B. das erwähnte 25m-Schießen oder diverse Gewehrwettbewerbe. Diese klassischen Wettkämpfe sind ideal, um Grundlagenwie Anschlag, Atemtechnik und Abzugskontrolle zu erlernen und zu verfeinern.


Dynamisches Schießen: Action, Bewegung und Geschwindigkeit

Als dynamisches Schießen bezeichnet man Schießsport-Disziplinen, bei denen neben der Präzision vor allem Bewegung und Zeit eine große Rolle spielen. Dynamische Wettkämpfe – oft spricht man auch von “Action Shooting” oder “sportlichem Bewegungsschießen” – fordern den Schützen körperlich wie mental. Hier bleiben Sie nicht an einem Fleck stehen, sondern bewegen sich mit der geladenen Waffedurch einen vorgegebenen Parcours und schießen auf mehrere Ziele aus unterschiedlichen Entfernungen und in verschiedenen Positionen. Schnelligkeit ist ein entscheidender Faktor: Die benötigte Zeit für den Parcours wird gemessen und zusammen mit der Trefferleistung bewertet. Einfach gesagt, gilt es schnell und treffsicher zu schießen – eine Kombination, die für Adrenalin pur sorgt.


Die International Practical Shooting Confederation (IPSC) ist der bekannteste Vertreter des dynamischen Schießens. IPSC-Schießen – in Deutsch am besten als sportliches Bewegungsschießen übersetzt – vereint Präzision, Power und Geschwindigkeit. Das Motto “Diligentia, Vis, Celeritas” (Präzision, Kraft, Schnelligkeit) bringt es treffend auf den Punkt. Im Unterschied zum statischen Schießen, bei dem der Schütze stationär bleibt und keine Zeitwertung erfolgt, beinhaltet IPSC dynamische Bewegungen: Die Schützen bewegen sich durch verschiedene Parcours und schießen auf mehrere Ziele aus unterschiedlichen Positionen. Die Ziele können Papierscheiben mit Wertungszonen oder Stahlziele (Popper, Plates etc.) sein – teils sogar beweglich oder verdeckt. Treffer und Zeit gehen beide in die Gesamtwertung ein, was einen völlig anderen Wettkampfstress erzeugt als bei rein statischen Wettkämpfen. Ein IPSC-Parcours (Stage) ist wie ein kleines Abenteuer: Sie wissen vorher, welche Ziele in welcher Reihenfolge zu beschießen sind, aber wie Sie das in kürzester Zeit schaffen, liegt an Ihnen – Kreativität und Taktik spielen also mit hinein.


Dynamisches Schießen gibt es für alle Waffenarten. So werden IPSC-Wettbewerbe weltweit mit Kurzwaffen, Büchsen und Flinten ausgetragen. Hier einige Beispiele für dynamische Disziplinen in der Praxis:


  • Kurzwaffen (Pistole/Revolver): Die Königsdisziplin ist IPSC Handgun. Sie laufen einen Parcours mit der Pistole im Anschlag, schießen auf diverse Ziele (Papier und Stahl) aus unterschiedlichen Distanzen, oft auch aus der Bewegung oder nach kurzen Sprints. Beispiel: Start mit der Pistole im Holster – auf das Startsignal hin ziehen Sie, treffen zwei Scheiben im Laufen, gehen in Deckung, geben weitere Schüsse aus der Hocke ab, laden beim Weiterlaufen nach und bekämpfen am Ende fallende Stahlplatten. Trefferzahl, Trefferqualität und Zeit bestimmen Ihr Ergebnis. Neben IPSC gibt es im BDS auch Fallscheibenschießen und Speed-Schießen mit der Pistole, bei denen mehrere Ziele (meist Stahlplatten) so schnell wie möglich beschossen werden. Hier steht man zwar an einer Stelle, schießt aber auf Zeit – was sie ebenfalls zu dynamischen Disziplinen macht. Eine Einsteiger-Disziplin ist das BDS-Mehrdistanzschießen mit Kurzwaffe, bei dem auf verschiedenen Entfernungen (z.B. 25 m, 20 m, 15 m) unter Zeitdruck geschossen wird. Diese Disziplin ist ein idealer Einstieg ins dynamische Schießen und bereitet auf IPSC vor.

  • Langwaffen (Gewehr): Dynamische Gewehrmatches gibt es als IPSC Rifle oder in Form von Mehrdistanz- und Mehrpositions-Wettkämpfen. Bei IPSC Rifle parcouren Sie mit einem halbautomatischen Gewehr (z.B. AR-15) und engagieren Ziele in Entfernungen von 2 m bis über 300 m– eine enorme Bandbreite, die schnelle Positionswechsel und Zoomstufen erfordert. So ein Parcours kann z.B. nahe Klappziele und ferne Popper kombinieren: Sie schießen erst im Stehen auf 10 m-Fallscheiben, dann werfen Sie sich hin und treffen in Bauchlage ein Ziel auf 200 m Entfernung. Andere Formate sind PRS (Precision Rifle Series), bei denen mit Mehrlader-Gewehren unter Zeitdruck aus verschiedenen ungewöhnlichen Positionen auf entfernte Stahlziele geschossen wird. Hier bewegt man sich weniger laufend, wechselt aber schnell die Anschläge (stehend, aufgelegt auf Barrikaden, knieend etc.) – ebenfalls dynamisch, weil die Zeit mitläuft und kreative Lösungen gefragt sind.

  • Schrotflinten: Mit Flinten wird es dynamisch im IPSC Shotgun. Stellen Sie sich einen Flinten-Parcours vor: Sie haben eine Selbstladeflinte oder Vorderschaftrepetierer (Pumpgun) mit begrenzter Magazinkapazität. Auf Signal gilt es, mehrere Ziele abzuknallen – etwa Stahlplatten, fallende Pepper-Popper und sogar fliegende Wurfscheiben, die plötzlich erscheinen. Während Sie sich von Station zu Station bewegen, müssen Sie taktisch nachladen, um stets ausreichend Schuss im Lauf zu haben. Diese dynamische Flinten-Action zeigt eindrucksvoll, was mit der Schrotflinte sportlich machbar ist. Im BDS gibt es hierzu die Disziplin Mehrdistanz Flinte sowie 3-Gun-Matches, bei denen Sie Kurzwaffe, Büchse und Flinte im selben Wettkampf nacheinander einsetzen – das volle Programm für Dynamik-Fans.


Sicherheit hat beim dynamischen Schießen oberste Priorität. Da Sie sich mit geladenen Schusswaffen bewegen, gelten strenge Sicherheitsregeln und es ist besonderes Training erforderlich. Im Parcours darf z.B. der Lauf der Waffe nie eine sichere Schussrichtung verlassen, und jeder Verstoß (etwa ein Schwenken der Waffe um mehr als 90° zur Schussrichtung) führt zur Disqualifikation. Aus diesem Grund verlangen Verbände wie der BDS einen Sicherheits- und Regeltest (SuRT), bevor man an IPSC-Wettkämpfen teilnehmen darf. Auch muss man Mitglied im entsprechenden Verband sein – in Deutschland ist der BDS der offizielle IPSC-Dachverband. Ohne BDS-Mitgliedschaft kein IPSC-Schießen, so die klare Regel. Lassen Sie sich davon jedoch nicht abschrecken: Mit der richtigen Anleitung und diszipliniertem Training können auch Sportschützen, die bisher nur statische Erfahrungen haben, schnell die Freude an dynamischen Matches entdecken.


Fazit: Finden Sie Ihren Schießstil – oder probieren Sie beide aus!


Statisches und dynamisches Schießen sind zwei spannende Facetten des Schießsports. Beim statischen Schießen perfektionieren Sie Ihre Treffsicherheit in Ruhe, schleifen die Technik und messen sich unter fairen, immer gleichen Bedingungen mit anderen. Beim dynamischen Schießen dagegen erleben Sie Action pur – es verlangt Ihnen Beweglichkeit, Schnelligkeit und Entscheidungsfreude ab, ohne dass die Präzision zu kurz kommt. Beide Stile ergänzen sich mehr, als dass sie sich ausschließen. Viele erfolgreiche Sportschützen trainieren erst die Basis im statischen Schießen und bauen darauf ihre Fähigkeiten im dynamischen Bereich auf.

Unser Tipp: Probieren Sie beides aus!

Wenn Sie bisher vor allem auf der statischen Schießbahn zu Hause sind, wagen Sie ruhig mal den Schritt ins Dynamische – zum Beispiel über einen Mehrdistanz-Wettbewerb oder einen Schnupperkurs im IPSC bei einem BDS-Verein.

Sie werden überrascht sein, wie viel Spaß das sportliche Bewegungsschießen macht und wie sehr es Ihre Schießfertigkeit insgesamt verbessert. Und wenn Sie ein Dynamik-Fan sind, schätzen Sie vielleicht gelegentlich die entspannte Konzentration eines Präzisionsschießens, um Ihre Grundlagen zu festigen. Egal ob statisch oder dynamisch – Hauptsache sportlich, sicher und mit Spaß an der Sache!


In diesem Sinne: Gut Schuss und vielleicht sieht man sich ja bald auf dem Schießstand



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