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Langwaffe vs. Kurzwaffe – Unterschiede im Training und Handling

Aktualisiert: 6. Sept.

Sportschützen wissen, dass Langwaffen (wie Gewehre oder Flinten) und Kurzwaffen (Pistolen oder Revolver) zwar beide Schusswaffen sind, aber im Training und im Umgang ganz eigene Herausforderungen mit sich bringen. Jede Waffengattung erfordert eine angepasste Technik und bietet spezifische Erlebnisse beim Schießen. In diesem Beitrag beleuchten wir die wichtigsten Unterschiede in Technik und Ergonomie, Schießhaltung, Visierbild, Rückstoßkontrolle sowie Trainingsmethoden. Zudem geben wir praxisnahe Tipps, wie Sie typische Fehler vermeiden und mit beiden Waffentypen erfolgreich trainieren können.


Technik & Ergonomie

Bereits der technische Aufbau und die Ergonomie von Lang- und Kurzwaffen unterscheiden sich deutlich – und diese Unterschiede wirken sich auf das Handling aus. Langwaffen sind in der Regel größer und schwerer. Ein typisches Sportgewehr bringt oft 3–5 kg auf die Waage und hat einen langen Lauf mit Schulterstütze (Schaft). Kurzwaffen wie Pistolen hingegen wiegen meist um 0,7–1,5 kg und sind kompakt gebaut, ohne Schaft. Durch die Länge und das Gewicht einer Langwaffe hat der Schütze mehrere Kontaktpunkte: Sie legen den Schaft in die Schulter, stützen die Wange an der Schaftauflage und führen den Vorderschaft mit der anderen Hand. Diese drei Stabilisierungspunkte (Schulter, Wange, Hände) geben einer Langwaffe eine natürliche Ruhe und Balance. Eine Kurzwaffe wird dagegen ausschließlich mit den Händen gehalten – auch wenn beide Hände am Griff sind, bleibt die Waffe „frei schwebend“ vor dem Körper. Das geringere Gewicht und der kurze Abstand zwischen Griff und Mündung machen Kurzwaffen wendiger, aber auch anfälliger für Verwackeln durch kleinste Bewegungen.

Ein weiterer technischer Unterschied liegt im Abzugssystem und Abzugsgewicht. Sportgewehre haben häufig fein einstellbare Abzüge mit relativ geringem Widerstand (oft 500 g bis 1500 g Abzugsgewicht). Viele Pistolen – vor allem Dienst- oder Großkaliber-Sportpistolen – haben einen deutlich höheren Abzugswiderstand (z.B. 2000 g oder mehr im Double-Action-Modus). In der Praxis heißt das: Beim Pistolenschuss muss Ihr Abzugsfinger mehr Kraft aufbringen, wodurch die leichte Kurzwaffe leicht verzogen werden kann, wenn die Technik nicht sauber ist. Bei der schwereren Langwaffe ist der Abzug im Verhältnis zum Waffengewicht leichter zu betätigen, was das präzise Schießen oft begünstigt. Insgesamt verzeihen Langwaffen ergonomisch bedingt kleine Ungenauigkeiten eher, während Kurzwaffen dem Schützen mehr Feinmotorik und Kontrolle abverlangen.


Schießhaltung

Die optimale Schießhaltung unterscheidet sich je nach Waffentyp, denn Lang- und Kurzwaffen erfordern unterschiedliche Körperpositionen für Stabilität. Grundsätzlich gilt: Ein fester, balancierter Stand ist das Fundament für präzises Schießen – egal ob mit Gewehr oder Pistole. Doch wie dieser Stand aussieht, variiert:

  • Mit der Langwaffe: Wenn Sie ein Gewehr im Stehen schießen, neigen Sie dazu, den Körper leicht seitlich zum Ziel auszurichten. In traditionellen Schießsport-Disziplinen (z.B. 10m Luftgewehr oder 50m Kleinkaliber) steht der Schütze oft seitlich zur Scheibe, der linke Ellenbogen wird (bei Rechtsschützen) eng am Körper oder auf der Hüfte abgestützt, um das Gewehr im Anschlag zu stabilisieren. Die Beine stehen schulterbreit, das Körpergewicht ist gleichmäßig verteilt oder leicht nach vorne verlagert. In dynamischen Rifle-Disziplinen (etwa IPSC Rifle oder Mehrdistanzschießen) wird die Haltung etwas anders sein: Hier stehen Sie eher frontal bzw. athletisch zum Ziel, beide Füße schulterbreit mit einem leichten Versatz, und Sie beugen Knie und Oberkörper moderat nach vorn. Diese „athletische“ Haltung hilft, den Rückstoß schneller abzufangen und erlaubt zügige Bewegungen – wichtig, wenn Sie sich zwischen Schüssen bewegen oder schnell auf mehrere Ziele reagieren müssen.

  • Mit der Kurzwaffe: Beim Pistolenschießen (vor allem beidhändig) hat sich ein frontaler, stabiler Stand bewährt. Stellen Sie sich etwa schulterbreit hin, den Fuß der Schusshandseite minimal nach hinten versetzt. Verlagern Sie das Gewicht leicht nach vorne, die Knie leicht gebeugt. Diese Haltung – oft als „Fighter Stance“ oder isosceles Stand bezeichnet – ermöglicht es Ihnen, den Rückstoß mit dem ganzen Körper aufzufangen. Die Arme sind dabei nach vorne gestreckt (nicht komplett durchgedrückt, sondern leicht angewinkelt), und der Oberkörper ist etwas nach vorne geneigt. Wichtig: Vermeiden Sie einen zu schmalen oder völlig parallelen Stand – das wäre instabil. Im Vergleich zur Langwaffe fehlt bei der Kurzwaffe der dritte Stützpunkt an der Schulter, deshalb muss die Stabilität hauptsächlich aus Ihrem Stand und Ihrem Griff kommen. In klassischen Präzisionsdisziplinen mit der Pistole (z.B. Olympisches Luftpistolenschießen) gibt es sogar den einhändigen Anschlag: Hier steht der Schütze seitlich zum Ziel, streckt den Schussarm allein aus und stabilisiert sich durch Gewichtsverlagerung und Körperspannung. Diese Technik erfordert hohe Körperbeherrschung. Für viele praktische Anwendungen im Schießsport und Training wird jedoch beidhändig geschossen, da es deutlich stabiler und kontrollierbarer ist.


Schießhaltung im Vergleich
Schießhaltung im Vergleich

Zusammengefasst: Achten Sie bei beiden Waffentypen auf eine gespannte, aber nicht verkrampfte Haltung. Finden Sie einen Stand, in dem Sie einerseits festen Bodenkontakt und Gleichgewicht haben, andererseits flexibel auf den Rückstoß reagieren können. Ihre Schulterhaltung unterscheidet sich: Mit dem Gewehr ziehen Sie die Schulter nach hinten und unten, um den Schaft aufzunehmen; mit der Pistole halten Sie die Schultern eher nach vorne gerollt, um Kraft in die Arme zu bringen. Durch bewusstes Training der Schießhaltung – am besten vor dem Spiegel oder mit Videoanalyse – entwickeln Sie mit der Zeit eine natürliche, wiederholbare Anschlagposition für Gewehr und Pistole.


Visierbild

Das Visierbild bezeichnet die Ausrichtung der Visierung auf das Ziel. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Lang- und Kurzwaffen, bedingt durch Visierarten und Entfernungen. Unabhängig von der Waffe gilt: „Richten Sie die Visierlinie sauber aus und fokussieren Sie korrekt“ – doch was heißt das konkret?


Bei Kurzwaffen kommen traditionell offene Visierungen zum Einsatz, meist Kimme und Korn. Dabei müssen Sie das Korn zentriert im Kimmenausschnitt halten und zugleich auf das Ziel ausrichten. Die Herausforderung: Der Abstand zwischen Kimme (hintere Visierkerbe) und Korn (Frontvisier) ist bei Pistolen sehr kurz (vielleicht 10–20 cm Visierlänge). Schon geringste Abweichungen in der Ausrichtung bewirken auf der Scheibe erhebliche Trefferabweichungen. Als Faustregel kann man sagen: Wenn Ihre Visierlinie bei der Pistole auch nur um einen Millimeter verrutscht, liegen die Treffer auf 25 m deutlich daneben. Daher ist beim Pistolenschießen ein scharfer Fokus auf dem Korn essenziell – das Kornbild soll klar sein, während Ziel und Kimme leicht unscharf bleiben. Viele Schützen müssen dies erst üben, da das Auge intuitiv aufs Ziel schauen will. Moderne Kurzwaffen im Sport sind zunehmend auch mit Reflexvisieren (Rotpunktvisieren) ausgestattet. Ein Rotpunktvisier erleichtert das Zielen insofern, als Sie nur noch den roten Punkt aufs Ziel halten müssen, anstatt Kimme und Korn in Deckung zu bringen. Trotzdem bleibt das Prinzip gleich: Ein konstantes Visierbild ist nötig, um präzise zu treffen. Übungstipp: Trainieren Sie das Heben der Pistole auf ein Ziel und halten Sie einige Sekunden das Visierbild, ohne den Abzug zu betätigen. So schulen Sie Ihre Muskeln, die Waffe ruhig im Ziel zu halten, und lernen, das Verwackeln zu kontrollieren.


Bei Langwaffen hängt das Visierbild stark von der verwendeten Optik ab. Viele Sportgewehre (insbesondere im Präzisionsschießen) nutzen Diopter-Visierungen oder Zielfernrohre. Ein Diopter mit Ringkorn ergibt ein anderes Visierbild: Sie blicken durch eine kleine Lochkimme und sehen einen Ring vorne, den Sie konzentrisch um das Ziel (z.B. die Scheibe) legen. Hier ist das korrekte Bild „Ring in Ring“ – wenn alles sauber rund erscheint, ist die Ausrichtung perfekt. Der Vorteil: Die Visierlinie bei Langwaffen ist lang (beim Gewehr oft 50–70 cm zwischen Kimme und Korn oder noch länger bei aufgelegtem Diopter und Korn). Kleine Winkelabweichungen fallen dadurch weniger ins Gewicht, das System ist toleranter gegenüber Zittern als die kurze Pistolenvisierung. Bei Zielfernrohren (Scope) oder Rotpunktvisieren auf Gewehren haben Sie wiederum ein anderes Visierbild: Entweder ein Fadenkreuz oder einen leuchtenden Punkt, den Sie mit dem Ziel deckungsgleich bringen. Hier spielt neben der Ausrichtung auch der richtige Augenabstand (Eye Relief) und der korrekte Blickwinkel durch die Optik eine Rolle. Sie müssen lernen, konsequent mit gleichem Wangenanschlag durch das Zielfernrohr zu blicken, damit kein Schatten im Bild entsteht und das Absehen stets zentriert ist.


Besonderheiten im Vergleich: Pistolenschützen lernen meist zuerst mit Kimme/Korn und entwickeln ein Gefühl dafür, wie das ideale Visierbild aussieht (etwa wie viel „Licht“ beidseits des Korns in der Kimme zu sehen ist, oder wie hoch das Korn im Ziel stehen muss). Gewehrschützen hingegen arbeiten häufiger mit technischen Visierhilfen (Diopter, Optik), was das Zielen auf weite Distanzen erleichtert. Trotzdem ist es ratsam, auch mit der Langwaffe den Umgang mit offener Visierung zu üben – es schult die Augen-Hand-Koordination. Umgekehrt profitieren Pistolenschützen von gelegentlichem Training mit einem Rotpunktvisier oder einem Karabiner: Es erweitert das Verständnis für Zielerfassung. Denken Sie daran: Ihr Visierbild bestimmt maßgeblich die Präzision – nehmen Sie sich im Training Zeit, ein Gefühl für ein sauberes Bild zu entwickeln, sei es durch Trockenanschlag-Übungen oder Schießstand-Serien, in denen Sie bewusst auf Visier-Ausrichtung achten.


Rückstoßkontrolle

Jeder Schuss löst einen spürbaren Rückstoß aus – doch das Verhalten von Lang- und Kurzwaffen beim Schuss könnte kaum unterschiedlicher sein. Langwaffen leiten den Rückstoß direkt in Ihre Schulter ab. Die größere Masse der Waffe und die Anlage an der Schulter bewirken, dass sich der Rückstoß eher als kräftiger Schub nach hinten anfühlt. Kurzwaffen hingegen haben keinen Schulterkontakt; der Rückstoß äußert sich vor allem als Hochschlagen der Mündung (Muzzle Flip). Weil die Pistole leichter ist, „gewinnt“ die Rückstoßenergie schneller die Oberhand: Die Waffe klappt nach oben und hinten, und Ihre Handgelenke müssen diese Bewegung abfangen.


Wie kontrolliert man den Rückstoß richtig? Zunächst durch Körperhaltung und Grifftechnik.


Mit dem Gewehr sollten Sie den Schaft fest, aber nicht krampfhaft, in der Schulter halten. Ziehen Sie die Waffe mit der Schießhand an sich und üben Sie mit der Stützhand Druck nach hinten/unten auf den Vorderschaft aus. Ein häufiger Fehler ist, den Oberkörper beim Schuss zu weit hinten zu haben – dann kann der Rückstoß Sie aus dem Gleichgewicht bringen. Besser: Lehnen Sie sich leicht nach vorn, sodass Sie dem Rückstoß aktiv entgegentreten. Ihr Körper fungiert als Dämpfer. Viele Schützen spüren bei richtiger Haltung, dass sie nach dem Schuss sofort wieder im Ziel sind oder nur minimal nachkorrigieren müssen.


Bei der Pistole ist die Grifftechnik entscheidend. Beide Hände umschließen den Griff so hoch wie möglich unter dem Abzugsbügel, damit die Laufseele tief in Ihrer Hand liegt. Je höher Ihre Hand an der Pistole sitzt, desto weniger Hebel hat der Rückstoß, um die Mündung anzuheben. Drücken Sie mit beiden Händen nach vorne: Etwa 60–70 % der Haltekraft liefert die support-Hand (die „schwächere“ Hand), der Rest die Schusshand. Die Arme bleiben stabil (nicht völlig starr, aber fest). Diese Spannung ermöglicht es, dass die Waffe beim Schuss nicht ausbricht. Wichtig: Verkrampfen Sie nicht so sehr, dass Ihre Hände zittern – steigern Sie den Griffdruck bis kurz vor das Zittern und halten Sie dieses Niveau. Mit etwas Übung finden Sie die ideale Spannung.


Körperhaltung und Grifftechnik.
Körperhaltung und Grifftechnik.

Zusätzlich hilft ein guter Stand (siehe oben) enorm bei der Rückstoßkontrolle. Bei einer Pistole absorbiert Ihr gesamter Körper – von den Handgelenken über Schultern bis in Beine – die Schussenergie. Leicht nach vorne gebeugte Haltung und federnde Knie tragen dazu bei, den Hochschlag schnell zu stoppen. Bei Gewehren wiederum nimmt vor allem Ihre Schulter und Ihr Rumpf die Energie auf; hier zahlt sich kräftige Oberkörpermuskulatur und eine feste Schulterposition aus.


Nach dem Schuss sollten Sie bei beiden Waffentypen einen kontrollierten Nachhalte (Follow-Through) üben: Lassen Sie die Waffe frei ausrichten, fangen Sie sie aber sofort wieder im Ziel auf. Ein häufiger Fehler bei Pistolen ist das sogenannte „Verreißen“ – der Schütze antizipiert den Rückstoß und drückt unbewusst die Mündung nach unten, noch bevor der Schuss bricht. Dadurch gehen Treffer oft zu tief. Um das zu vermeiden, konzentrieren Sie sich darauf, den Schuss sauber „überraschen“ zu lassen und beobachten Sie bewusst, wie die Visierung hochspringt und zurückkehrt. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Griff die Waffe im Ziel hält. Bei Mehrschuss-Übungen (Doubletts oder Serien) trainieren Sie, nach jedem Schuss sofort wieder das Visier auf das Ziel zu bringen – am Anfang langsam Schuss für Schuss, später in schneller Folge. Mit dem Gewehr ist das ähnlich: Beispielsweise beim Mehrschüssigen KK-Gewehr oder Halbautomaten üben Sie, durch den Rückstoß nicht aus der Position zu fallen, sondern schnell wieder die Ziellinie herzustellen.


Trainingsmethoden

Training mit Lang- und Kurzwaffe überschneidet sich in einigen Grundtechniken, hat aber unterschiedliche Schwerpunkte. Erfolgreiche Sportschützen entwickeln oft ein ausgewogenes Trainingsprogramm, das auf die Anforderungen beider Waffentypen eingeht. Im Folgenden einige wesentliche Trainingsaspekte und motorische Anforderungen:


Abzugskontrolle üben:

Der Abzug ist bei beiden Waffen der Schlüssel zur Präzision. Doch wie trainiert man ihn? Bei der Kurzwaffe erfordert ein sauberer Abzugsvorgang viel Fingerfertigkeit, da ein Verreißen sofort sichtbar wird. Trockentraining ist hier Gold wert: Üben Sie z.B. mit einer entladenen Pistole den Druckpunkt zu finden und den Abzug durchzuziehen, ohne dass die Visierlinie wackelt. Ein bewährter Drill ist der „Münz-Trick“: Legen Sie eine Münze oben auf den Schlitten der entladenen Pistole und versuchen Sie, den Abzug zu betätigen, ohne dass die Münze herunterfällt. Damit schulen Sie einen erschütterungsfreien Abzug. Bei Langwaffen ist der Abzug oft weicher, aber auch hier lohnt Trockenanschlag und Abzugstraining, etwa im Anschlag liegend oder stehend, um den Schussablauf bis zum Nachhalten zu verinnerlichen. Achten Sie beim Gewehr besonders auf das Durchziehen bis zum Schussbruch ohne zu verkrampfen – ein gleichmäßiger Druck gerade nach hinten.


Zielen und Haltefähigkeit:

Das ruhige Halten der Waffe im Ziel erfordert unterschiedliche Muskelgruppen. Pistolen verlangen Stärke und Ausdauer in Armen, Schultern und Händen. Es empfiehlt sich, im Training auch Kraftübungen für den Grip zu integrieren (Handgripper, isometrisches Halten der ausgestreckten Waffe), um die Waffe länger ruhig halten zu können. Gewehre sind schwerer und belasten zusätzlich den Rumpf und den unteren Rücken, vor allem im freien Anschlag stehend. Trainingstipp: Arbeiten Sie an Ihrer Körpermitte (Core) – z.B. durch Planks oder Haltungstraining – damit Sie das Gewehr stabil tragen. Außerdem ist beim Gewehrschießen die Atemtechnik Teil des Trainings: Lernen Sie, im richtigen Moment zu schießen – oft am Ende einer Ausatmungspause, wenn der Körper kurz ruhig ist. Pistolenschützen profitieren ebenfalls von bewusster Atmung, aber das Gewicht der Waffe beeinflusst die Atmung weniger stark als beim Gewehr. Dennoch: Üben Sie, vor dem Schuss ein- und auszuatmen, den Atem für den Moment des Schusses anzuhalten und dann ruhig weiterzuatmen.


Positions- und Anschlagstraining:

Mit Langwaffen müssen Sie häufig verschiedene Positionenbeherrschen – vom Liegen über Knien bis Stehend. Jede Position hat ihre Tücken: Im Liegen ist das Gewehr sehr stabil (besonders mit Zweibein oder Riemen), aber Sie müssen das Atmen und den Herzschlag berücksichtigen; im Stehen ist die Haltung am anspruchsvollsten und sollte regelmäßig trainiert werden, um Muskelausdauer aufzubauen. Bei Kurzwaffen gibt es weniger unterschiedliche Positionen – meistens wird im Stehen geschossen, gelegentlich kniend oder liegend im Deckungsschießen (z.B. dynamische Wettbewerbe). Hier liegt der Fokus darauf, den Stand schnell einzunehmen (bei dynamischen Übungen) und aus verschiedenen Anschlagsarten zuverlässig zu treffen. Ein praktischer Trainingsansatz: Wechseln Sie im Übungsszenario zwischen Pistole und Gewehr, z.B. erst ein Ziel mit der Pistole im Stehen bekämpfen, dann schnell zum bereitliegenden Gewehr greifen und ein fernes Ziel liegend beschießen. Solche Kombi-Drills fordern Sie, Ihre Technik augenblicklich anzupassen – genau das, was vielseitige Schützen auszeichnet.


Motorische Fähigkeiten:

Feinmotorik und Grobmotorik werden unterschiedlich beansprucht. Pistolenschützen entwickeln oft eine hohe Feinmotorik im Abzugsfinger und im Handgelenk, um kleinste Verlagerungen zu vermeiden. Gewehrschützen entwickeln eine statische Kraftausdauer, etwa um den Arm auch nach vielen Minuten im Anschlag ruhig zu halten. Beide brauchen eine gute Hand-Auge-Koordination. Planen Sie Ihr Training so, dass Sie beides fördern: Zum Beispiel Übungen für Schnelligkeit und Auge (wie das Schießen auf Fallplatten oder duellierende Ziele mit der Pistole) und Übungen für Geduld und Konzentration (wie das Schießen einer Präzisionsserie mit dem Gewehr auf 100 m). So schulen Sie Reflexe und Ruhe gleichermaßen.


Praxisbeispiele

Nichts verdeutlicht Unterschiede besser als praktische Beispiele aus dem Schießalltag. Im Folgenden zwei typische Szenarien und die daraus resultierenden Learnings:


Praxisbeispiel 1 – Umstieg vom Gewehr auf die Pistole: Stellen Sie sich einen erfahrenen Gewehrschützen vor, der vor allem auf 50 m Kleinkaliber und 100 m Großkalibergewehr geschossen hat. Nun möchte er verstärkt mit der Pistole trainieren. Zu Beginn stellt er fest, dass ihm die Pistole ungewohnt „nervös“ vorkommt. Während er es gewohnt war, das Gewehr mit fester Stütze an Schulter und mit Riemen ruhig zu halten, zittert die Kurzwaffe sichtbar in seinen Händen. Seine ersten Schüsse landen verstreut auf der 25 m Scheibe. Was ist passiert? – Unser Gewehrspezialist muss erst die Feinabstimmung lernen: Griff fester, Handgelenke stabilisieren, sauberes Abziehen ohne Verwackeln. Er bemerkt auch, dass er oft zu tief schießt – ein Zeichen fürs Verreißen. Durch angeleitetes Training (Trockenübungen, Abzugsdrills) und eine Korrektur seines Standes (Gewicht stärker nach vorne, beide Arme gestreckt) verbessert sich sein Trefferbild rasch. Dieses Beispiel zeigt: Wer vom Gewehr zur Pistole wechselt, sollte Geduld mitbringen und zunächst die Grundlagen – Stand, Griff, Visierbild, Abzug – akribisch üben. Die Präzision wird kommen, sobald die grundlegende Stabilität da ist. Interessanterweise berichtet unser Schütze, dass ihm das konzentrierte Pistolentraining auch im Gewehrschießen hilft: Seine Abzugskontrolle ist sensibler geworden.


Praxisbeispiel 2 – Umstieg von der Pistole aufs Gewehr: Ein passionierter Pistolenschütze aus dem IPSC-Bereich probiert zum ersten Mal ein halbautomatisches Sportgewehr in einer dynamischen Übung. Er erwartet, dass das Gewehrschießen ähnlich „flott“ vonstattengeht. Tatsächlich stellt er fest, dass er mit dem Gewehr zwar leichter auf 50 m Ziele trifft (die Trefferquote ist sofort hoch, dank Optik und Auflagepunkten), aber neue Herausforderungen warten: Das Gewicht des Gewehrs ermüdet seine Arme viel schneller als die leichte Pistole. Nach ein paar schnellen Schussfolgen im Stehen beginnt die Haltung nachzulassen. Zudem ist der Rückstoß – obwohl gedämpft – über längere Serien spürbar in der Schulter, weil er das Gewehr anfangs nicht fest genug im Anschlag hatte. Seine Lektion: Er muss an der Kraftausdauer arbeiten und lernen, den Gewehranschlag kraftvoll und dauerhaft zu halten. Außerdem merkt er, dass Bewegungsabläufe anders sind: Während er mit der Pistole enge Kurven und schnelle Positionswechsel gewohnt ist, erfordert das Handling des längeren Gewehrs mehr Bewusstsein, um nirgendwo anzustoßen und sicher zu bleiben. Hier zeigt sich: Das Gewehr verzeiht beim Zielen mehr, stellt aber höhere Ansprüche an die körperliche Fitness und das taktische Bewegen. Mit Training passt sich unser Pistolenschütze an – er integriert Liegestütze und Halteübungen in sein Programm und verbessert seine Technik im Anschlag. Schon bald empfindet er das Gewehr nicht mehr als Last, sondern als stabilen Partner, der ihm dank korrekter Haltung fast spielerisch präzise Treffer erlaubt.

Konkrete Tipps und Fehlervermeidung: Abschließend noch einige Tipps aus der Praxis, die Ihnen helfen, typische Fehler zu vermeiden – egal ob mit Lang- oder Kurzwaffe:


  • Sicherheitsdisziplin wahren: Langwaffen lassen sich durch ihre Länge meist leichter kontrolliert ausrichten, während Kurzwaffen schneller unbeabsichtigt in die falsche Richtung zeigen können. Achten Sie beim Training stets darauf, wo Ihre Mündung hinzeigt. Tipp: Üben Sie Mündungsdisziplin bewusst – z.B. indem Sie sich beim Drehen am Schießstand vorstellen, ein Besenstiel wäre an der Mündung befestigt, der nichts und niemanden berühren darf.

  • Nicht zu schnell steigern: Beherrschen Sie zunächst die Grundlagen in Ruhe, bevor Sie auf Tempo schalten. Ein gängiger Fehler ist, mit der Pistole früh auf Zeit zu schießen (Duell, IPSC etc.), ohne eine stabile Grundtechnik zu haben – das führt zu Frust und Fehlentwicklungen. Ebenso beim Gewehr: Erst die Präzision im langsamen Schuss erarbeiten, dann ggf. Kadenz erhöhen.

  • Flinch/Verreißen bekämpfen: Fast jeder Schütze kämpft mal mit dem Zusammenzucken vor dem Schuss. Abhilfe schafft ein Ball-and-Dummy-Drill: Lassen Sie sich von einem Partner zufällig geladene oder leere Patronen ins Magazin mischen. So merken Sie beim „Klick“ sofort, ob Sie gezuckt haben. Diese Übung schärft Ihr Bewusstsein für Abzugsfehler – sehr hilfreich für Pistolen und Gewehre (z.B. beim repetieren mit dem Repetiergewehr).

  • Geräte richtig anpassen: Nutzen Sie die Verstellmöglichkeiten Ihrer Waffen. Bei Langwaffen sollte die Schaftlänge zu Ihrer Statur passen, ebenso die Höhe der Visierung (ggf. durch eine verstellbare Schafthöhe/Wangenauflage). Bei Kurzwaffen achten Sie auf Griffgröße und ggf. Wechselgriffschalen, sodass Sie den Griff optimal fassen können. Ein häufig unterschätzter Faktor ist die Abzugsreichweite: Stellen Sie sicher, dass Ihr Abzugsfinger den Abzug bequem mit dem vorderen Glied erreicht, ohne die restliche Handhaltung zu verlieren. Viele Schützen verhindern so Verzugsfehler.

  • Beide Waffentypen abwechselnd trainieren: Auch wenn Sie vielleicht einen Favoriten haben – binden Sie gelegentlich die andere Waffe ins Training ein. Das hält Ihre Fähigkeiten frisch und vielseitig. Zum Beispiel schult Kleinkaliber-Gewehrschießen ungemein Ihre Konzentration und Atemkontrolle, wovon wiederum Ihr Pistolenschießen profitiert. Und präzises Schießen mit der Pistole (kleine Ziele auf 25 m) kann Ihre Treffsicherheit mit dem Gewehr auf größere Distanz mental unterstützen, weil Sie gelernt haben, Abzugsfehler zu vermeiden. Kurz: Lassen Sie beide Disziplinen sich gegenseitig befruchten.


Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Langwaffen und Kurzwaffen im Schießsport zwei Seiten derselben Medaille sind – beide erfordern präzises Können, aber in unterschiedlichen Facetten. Die Langwaffe punktet durch Stabilität, längere Visierlinie und oft etwas leichtere Schusspräzision aufgrund ihres Gewichts und Mehrfach-Anschlags. Die Kurzwaffe hingegen fordert den Schützen durch ihre Handlichkeit und Kürze stärker: Hier zählen eine perfekte Technik, konzentrierte Haltung und viel Übung, um konsistent ins Schwarze zu treffen. Im Training sollten Sie diese Unterschiede bewusst berücksichtigen. Bauen Sie ein Fundament aus solider Technik (Stand, Griff, Visierbild, Abzug) auf, bevor Sie in beide Richtungen – Lang und Kurz – spezialisieren.

Denken Sie daran, dass abwechslungsreiches Training mit beiden Waffengattungen Sie zu einem insgesamt besseren Schützen macht. Jede Erfahrung mit der einen Waffe kann neue Erkenntnisse für den Umgang mit der anderen liefern. Bleiben Sie neugierig und geduldig: Fortschritte im Schießsport kommen durch regelmäßiges Üben, Reflexion und manchmal durch den „Blick über den Tellerrand“ zur anderen Disziplin. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen Gut Schuss – mögen sowohl Ihre Langwaffe als auch Ihre Kurzwaffe stets ins Ziel finden, wenn Sie sie mit sicherer Hand und geschulter Technik führen!

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