top of page

Krafttraining für Präzision – Welche Muskeln wirklich wichtig sind

Aktualisiert: 5. Sept.

Präzision beim Schießen ist nicht nur eine Frage von ruhiger Hand und guter Technik – auch Muskelkraft und -ausdauer spielen eine entscheidende Rolle. Ob im Schießsport, im polizeilichen oder militärischen Einsatz oder auf der Jagd: Die richtigen Muskeln geben Stabilität, Haltung und Kontrolle über die Waffe. Eine gefestigte Schulterstabilität und starke Unterarmkraft können zum Beispiel dabei helfen, das Ziel ruhig im Visier zu behalten. In diesem Artikel schauen wir uns drei verschiedene Schützengruppen an – Sportschützen, taktische Schützen und Jäger – und beleuchten, welche Muskelgruppen für Schusspräzision, Kontrolle und Stabilität besonders wichtig sind. Außerdem klären wir, wie sich die muskuläre Belastung (statisch vs. dynamisch) in den jeweiligen Bereichen unterscheidet, welche typischen Fehler im Krafttraining gemacht werden und welche Übungen sich besonders empfehlen.


Sportschützen – statische Haltekraft und Rumpfstabilität


Muskelgruppen & Belastung (statisch)


Sportschützen – etwa im Gewehr- oder Pistolenschießen auf Zielscheiben – müssen oft über längere Zeit eine stabile Haltung mit minimaler Wackelbewegung einnehmen. Insbesondere die Armmuskulatur und der Schultergürtel sind hier gefordert, also Unterarm, Bizeps, Trizeps sowie die Schulter- und Brustmuskulatur und die oberen Rückenmuskeln. Hinzu kommt der sogenannte “Core”, die Körpermitte, sprich Bauch- und untere Rückenmuskulatur.


Diese Muskelgruppen halten die Waffe ruhig und den Körper aufrecht. Die Beinmuskulatur spielt dagegen im Schießstand nur eine geringe Rolle – sie dient hauptsächlich dem Gleichgewicht – weshalb Sportschützen oft eher auf einbeinige Balance-Übungen setzen. Die Belastung ist vor allem statisch: Beim Pistolenschießen wird z.B. eine ~1kg Sportpistole mit ausgestrecktem Arm für mehrere Sekunden absolut still gehalten. Hierfür braucht es Kraftausdauer – die Fähigkeit der Muskeln, eine leichte bis moderate Spannung über längere Zeit ohne Zittern aufrechtzuhalten. Diese Kraftausdauer ist enorm wichtig, damit auch beim letzten Wettkampfschuss die Pistole noch ruhig im Halteraum stabilisiertwerden kann. Eine starke Rumpfmuskulatur ist ebenfalls essenziell: Sie stabilisiert die Wirbelsäule bei der einseitigen, statischen Belastung und sorgt für einen festen Stand. Studien zeigen, dass verbesserte Rumpfkraft zwar nicht direkt die Halteruhe (also das völlige Stillhalten der Waffe) erhöht, aber Rückenschmerzen reduziert und die Kondition im Stehendanschlag verbessert – ein Plus für lange Wettkämpfe. Kurz gesagt: Sportschützen brauchen einen kräftigen Oberkörper und stabile Körpermitte, um präzise und ermüdungsfrei schießen zu können.


Typische Fehler im Krafttraining


Ein häufiger Fehler von Sportschützen ist es, Krafttraining entweder ganz zu vernachlässigen oder falsch zu gewichten. Manche fürchten, durch Hanteltraining an Feinmotorik einzubüßen – tatsächlich warnen einige Trainer davor, reines Maximalkrafttraining könne die Armarbeit zu grob und zittrig machen. In der Tat liegt der Fokus im Schießsport eher auf Kraftausdauer und Stabilisation als auf schierer Muskelmasse. Doch komplettes Nichtstun ist ebenso problematisch: Ohne ausreichend Kraft und Ausdauer ermüden Haltearme und Schultern schneller, das Zielbild wird unruhig. Ein weiterer Fehler ist einseitiges Training: Wer nur einzelne Muskelpartien (etwa vordere Schultern oder Brust) isoliert trainiert, riskiert muskuläre Dysbalancen. Solche Ungleichgewichte können die Haltung und Halteruhe stören und sogar zu Überlastungsschmerzen führen. Wichtig ist daher ein ausgewogenes Training aller relevanten Muskelgruppen. Ein praktischer Tipp aus der Schützenpraxis: Kein intensives Oberkörpertraining am Tag vor einem Wettkampf – Muskelkater oder ermüdete Arme können die Präzision am nächsten Tag merklich verschlechtern. Besser ist es, das Krafttraining intelligent um die Schießtrainings herum zu planen. Insgesamt gilt: Sportschützen sollten funktionelles Krafttraining betreiben, das die Haltung stabilisiert, ohne die Feinabstimmung der Muskeln zu beeinträchtigen.


Empfehlenswerte Übungen


  • Core-Training: Planks (Unterarmstütz) und Side-Planks (Seitstütz) stärken die seitliche und gerade Bauchmuskulatur und damit die wichtige Rumpfstabilität. Ein kräftiger Unterbauch – oft vernachlässigt – trägt wesentlich zu einem stabilen Stand bei.

  • Schulter und Arm: Klassische Liegestütze beanspruchen Arm- und Schultermuskulatur und lehren den Körper, Spannung vom Kopf bis Fuß zu halten. Für die spezifische Haltekraft kann man mit leichten Kurzhanteln das Zielen simulieren, z.B. einen 1–2 kg Gewicht mit ausgestrecktem Arm so lange wie möglich ruhig halten. Diese isometrische Übung verbessert die Schulterstabilität und Unterarm-Griffkraft für ein ruhiges Zielen.

  • Balance und Beine: Einbeinige Übungen wie Ausfallschritte (Lunges) oder Einbeinstand auf instabiler Unterlage (z.B. Wackelbrett) trainieren das Gleichgewicht und die Tiefenmuskulatur. Auch Kniebeugen sind sinnvoll, um die Beine als stabile Basis zu stärken – ggf. auf einem Bein oder mit Zusatzgewicht für Fortgeschrittene. Eine stabile Beinachse hilft, kleine Schwankungen des Körpers auszugleichen.


Taktische Schützen – dynamische Ganzkörperkraft im Einsatz


Muskelgruppen & Belastung (dynamisch)


Taktische Schützen – dazu zählen Polizei-, Militär- oder Sicherheitskräfte, aber auch dynamische Sportdisziplinen wie IPSC – benötigen einen fitten Ganzkörper. Anders als Sportschützen stehen sie selten lange ruhig an einer Linie; vielmehr bewegen sie sich, wechseln Deckungen, schießen in unterschiedlichen Positionen und müssen auch den Rückstoß von halbautomatischen oder vollautomatischen Waffen kontrollieren. Alle großen Muskelgruppen vom Unterarm bis zu den Beinen werden hierbei gebraucht. Die Arme (Unterarmmuskeln, Bizeps, Trizeps) und Schultern müssen die Waffe schnell in Anschlag bringen und den Rückstoß abfangen. Ein kräftiger Griff ist essenziell: Eine hohe Unterarmkraft erlaubt es, die Waffe fester und länger zu halten, ohne dass sie aus dem Ziel wandert. Experten betonen, dass beim Feuern die Kraft der Finger, Unterarme, Bizeps, Nackenmuskulatur (Trapez) und Schultern gemeinsam wirkt, um die Visierlinie stabil zu halten und den Rückstoß über den Körper abzuleiten.


Doch nicht nur der Oberkörper zählt: Rücken, Rumpf, Hüfte, Beine – also die ganze Kette von den Schultern bis zu den Füßen – muss stabil sein, um Schüsse im Ziel zu halten. Bei jeder Schwachstelle oder Instabilität in dieser Kette geht Präzision verloren. Die Belastung ist überwiegend dynamisch: Es wechseln Phasen schnellen Bewegens (z.B. Laufen, Hinwerfen, Aufstehen) mit kurzen, intensiven Krafteinsätzen (Waffe in Anschlag reißen, Abzug drücken, Rückstoß dämpfen). Auch statische Haltearbeit kommt vor, etwa wenn ein Polizist an der Ecke in Anschlag geht – aber meist nur für Sekundenbruchteile, nicht minutenlang wie im Schießsport. Zusätzlich wirken Stress und hoher Puls im Einsatz als erschwerende Faktoren. Taktische Schützen brauchen daher Kraft, Schnellkraft und Ausdauer gleichermaßen. Ein stabiler Rumpf (starke Bauch- und untere Rückenmuskeln) ist nötig, um im schießbereiten Vorwärtsdrall zu bleiben (Stichwort: nach vorn gelehnter Stand, kein „Zurückfallen“ im Schuss). Die Bein- und Gesäßmuskulatur muss explosive Bewegungen (Sprint, Abknien, Positionswechsel) abfangen und trotzdem präzises Schießen ermöglichen. Kurz: In dynamischen Schießsituationen wird der gesamte Körper gefordert, von der Griffkraft an der Waffe bis zur Beinarbeit für den Stand.


Typische Fehler im Krafttraining


Taktische Schützen machen oft den Fehler, entweder zu wenig gezieltes Krafttraining zu betreiben oder zu eindimensional zu trainieren. In einigen Behörden liegt der Fokus stark auf Schießtechnik, während die physische Komponente unterschätzt wird. Dabei kann mangelnde Fitness die Schießleistung im Ernstfall deutlich beeinträchtigen – zum Beispiel, wenn nach einem Sprint die Muskeln vor Ermüdung zittern oder der hohe Puls das Zielen erschwert. Auf der anderen Seite gibt es auch das Gegenteil: Einseitiges Bodybuilding ohne funktionellen Bezug. Wer z.B. nur seine Brust- und Bizepsmuskeln aufpumpt, vernachlässigt oft Rücken, Beine und Rumpf – die aber für Stabilität in der Schussposition unverzichtbar sind. Auch zu starkes Muskelwachstum an ungünstigen Stellen kann die Beweglichkeit einschränken. Ein extremes Beispiel: Übermäßiges, unsachgemäßes Schwergewicht-Training kann zu verkürzten Muskeln und eingeschränkter Schulterbeweglichkeit führen. Ein Schütze, der vor lauter Muskeln die Arme nicht mehr vollständig heben oder strecken kann, hat offensichtlich ein Problem.


Daher sollten Beweglichkeit und Vollbewegungs-Übungen Teil des Trainings sein, damit die Schulterbeweglichkeit und Hüftmobilität erhalten bleibt. Ein weiterer Fehler ist, das Training nicht an die Ausrüstungsrealität anzupassen: Im Einsatz trägt man oft Schutzweste, Ausrüstung und ggf. einen langen Dienstwaffe – das Gesamtgewicht belastet den Körper anders als Training in Sportkleidung. Wer nie mit Zusatzgewicht trainiert, könnte überrascht sein, wie anders sich das Schießen mit 10 kg Gear anfühlt. Schließlich gilt auch hier: Timingbeachten. Intensives Krafttraining direkt vor einer Einsatzübung oder Schießprüfung kann zu zittrigen Muskeln führen – genug Regeneration ist wichtig, damit man im entscheidenden Moment volle Kontrolle hat. Insgesamt sollten taktische Schützen ein ganzheitliches Kraft- und Konditionstraining verfolgen: Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit in Balance, um in dynamischen Situationen maximal leistungsfähig zu sein.


Empfehlenswerte Übungen


  • Grundübungen für den ganzen Körper: Übungen, die viele Muskelgruppen gleichzeitig ansprechen, stehen an erster Stelle. Besonders Kniebeugen (Back Squats oder Front Squats) und Kreuzheben(Deadlifts) bauen funktionelle Kraft in Beinen, Rücken und Rumpf auf – ideal, um die Stabilität im Stand und beim Abfangen des Rückstoßes zu verbessern. Auch Klimmzüge (Pull-Ups/Chin-Ups) und Dipssind effektiv: Sie stärken den gesamten Schultergürtel (Rücken, Schultern, Arme) und simulieren die Zug- und Druckbewegungen, die beim Anlegen und Stabilisieren einer Langwaffe vorkommen. Diese Verbundübungen erhöhen nicht nur die Kraft, sondern verbessern auch die Koordination zwischen den Muskelgruppen.

  • Funktionelle Kraft & Tragen: Um einsatznahe Kraft zu entwickeln, bieten sich Farmer’s Walks(Koffertragen) oder Sandbag-Training an. Beim Farmer’s Walk trägt man in jeder Hand ein schweres Gewicht und geht – das trainiert Griffkraft, Unterarme, Schultern sowie die gesamte Rumpf- und Beinmuskulatur unter Last. Das ist ideal, um das Tragen von Ausrüstung oder das Schleppen eines Kameraden zu simulieren. Auch Ausfallschritte mit Gewichten (z.B. Kurzhanteln oder einer Langhantel auf den Schultern) verbessern die Beinkraft und Stabilität bei Bewegungen nach vorn, wie sie beim Vorrücken oder Positionswechsel auftreten.

  • Core und Stabilisation: Ein starker Core hilft bei praktisch allem – Planks oder noch besser Dynamische Planks (mit abwechselndem Armheben) trainieren Bauch, Rücken und Schulterblatt-stabilisierende Muskeln unter Einsatzbedingungen. Medicine-Ball-Übungen (z.B. explosiv einen Medizinball gegen die Wand werfen und wieder fangen) können die Rumpfkraft und Schnellkraftverbessern, was dem Rückstoßmanagement zugutekommt. Zusätzlich lohnt es sich, Seitstütz-Varianten und Rotationsübungen (z.B. russische Twists mit Medizinball) einzubauen, um die seitlichen Bauchmuskeln und Rotationsstabilität zu stärken – wichtig etwa, wenn man um Ecken lehnt oder sich aus der Drehung stabilisieren muss.

  • Training unter Realbedingungen: Als taktischer Schütze hilft es, gelegentlich mit Gewichtsweste oder Ausrüstung zu trainieren. Einfache Übungen wie Liegestütze, Klimmzüge oder Sprintintervalle in voller Montur bereiten den Körper auf den Ernstfall vor. Zudem kann man Kraft-Ausdauer-Zirkelmachen (z.B. 30 Sekunden Burpees, dann sofort Präzisionsschüsse im Training) – so lernt der Körper, auch mit hohem Puls und ermüdeten Muskeln die Zielkontrolle zu behalten.


Jäger – Ausdauer und Stabilität im Gelände


Muskelgruppen & Belastung (Mix)


Jäger bewegen sich oft im Gelände und müssen in unvorhersehbaren Momenten präzise schießen. Die körperlichen Anforderungen liegen gewissermaßen zwischen denen der Sportschützen und der taktischen Schützen: Einerseits braucht der Jäger Ruhe und Stabilität für einen sauberen Schuss, andererseits verlangt die Jagdpraxis auch Ausdauer und Kraft, um weite Strecken mit Ausrüstung zu bewältigen oder ein Tier zu bergen. Besonders beansprucht werden Schultern und Arme, da ein Jagdgewehr mit Zielfernrohr durchaus 3–4 kg wiegen kann und oft frei aufgelegt (ohne feste Auflage) geschossen wird. Wer z.B. auf 100 m stehend freihändig einen Bock anvisiert, muss die Waffe einige Sekunden absolut ruhig halten können – das geht nur mit einer gut trainierten Haltemuskulatur in Armen und Schultern. Auch hier sind Unterarmmuskeln für den festen Griff wichtig, damit beim Schuss der Lauf nicht verreißt. Zusätzlich kommt die Rumpfmuskulatur ins Spiel: Ein fester Bauch- und Rückenbereich stabilisiert den Oberkörper, ob man nun sitzend auf dem Hochsitz zielt oder im Stehen mit der Büchse anschlägt. Rückstoß ist bei Jagdkalibern (etwa .308 Winchester oder Schrotflinten) nicht zu unterschätzen – ein kräftiger Schultergürtel und ein kompakter Stand (Bein- und Gesäßmuskulatur angespannt) helfen, den Rückstoß zu absorbieren und das Ziel schnell wieder aufzunehmen, falls ein Folgeschuss nötig ist.


Die Beine schließlich tragen den Jäger durchs Revier: Lange Pirschgänge, bergauf zum Hochstand klettern, über unebenen Boden pirschen – dafür sind Oberschenkel, Waden und Hüftmuskulatur gefordert. Gleichzeitig dienen die Beine als Fundament beim Schießen. Egal ob man kniet, steht oder angelehnt schießt – stabile Bein- und Core-Muskeln verhindern ein Wackeln im entscheidenden Moment. Die Belastung bei der Jagd ist ein Mix aus dynamisch und statisch: Phasen der Bewegung (oft mit Gepäck/Rucksack) wechseln sich mit ruhigem Verharren (z.B. Ansitz) oder kurzem, konzentriertem Zielen ab. Ein Bergjäger etwa benötigt Ausdauer für den Aufstieg und im Anschluss die Kraft, im Anschlag nicht zu zittern. Ein Drückjagd-Schütze muss dagegen vielleicht blitzschnell anvisieren und schießen, wenn das Wild auftaucht, was Explosivkraft und Koordination erfordert. Insgesamt braucht der Jäger einen kräftigen, ausdauernden Gesamtmuskelapparat, um in der freien Wildbahn präzise und sicher zu treffen.


Typische Fehler im Krafttraining


Viele Jäger betrachten die Jagd eher als Freizeit als als Sport – und vernachlässigen daher das körperliche Training. Ein typischer Fehler ist zu glauben, die paar Kilometer durchs Revier oder das gelegentliche Klettern auf den Hochsitz seien Training genug. Die Quittung kommt, wenn im entscheidenden Moment die Puste fehlt oder die Arme zu sehr zittern, um das Zielfernrohr ruhig zu halten. Ein weiterer Fehler ist falsches Fokus-Training: Einige konzentrieren sich vielleicht nur auf Ausdauer (viel Wandern, aber keinerlei Krafttraining), während andere nur Kraft in einzelnen Bereichen trainieren (z.B. Arme mit Hanteln), aber die funktionelle Komponente übersehen. Wichtig für Schützen – und das gilt für Jäger besonders – ist ein Zusammenspiel aller Muskeln (intermuskuläre Koordination). Wer isoliert Muskeln stärkt, ohne das Zusammenspiel zu üben, kann am Ende trotzdem instabil im Anschlag sein. So berichteten erfahrene jagdliche Schützen, dass übertriebenes isoliertes Hanteltraining die Halteruhe sogar verschlechtern kann, wenn es nicht durch Anschlagübungen ergänzt wird.


Anders gesagt: Nur dicke Oberarme machen keinen besseren Schuss, wenn die Feinmotorik leidet. Als Fehler kann man auch sehen, Übungen aus dem Schießsport 1:1 zu übernehmen, ohne die jagdtypischen Anforderungen zu berücksichtigen. Beispielsweise trainieren viele Sportschützen fast ausschließlich den statischen Anschlag; Jäger sollten dagegen auch unorthodoxe Positionen üben (schräg an einem Baum anlegen, kniend schießen etc.) und ihre Muskeln auf diese Positionen vorbereiten. Schließlich sollte Ausdauer nicht vergessen werden: Ein seltener, aber wichtiger Fehler ist es, top Kraft zu haben, aber keinerlei Kondition – wer nach 15 Minuten Bergaufgehen völlig außer Atem ist, wird kaum einen sauberen Schuss abgeben können. Jäger tun also gut daran, sowohl Kraft als auch Ausdauer und Beweglichkeit zu trainieren, um im entscheidenden Moment fit zu sein.


Empfehlenswerte Übungen


  • Rumpf- und Schulterkraft: Für Jäger sind Schulterstabilität und Rumpfkraft Gold wert. Empfehlenswert sind Seitheben und Frontheben mit leichten Kurzhanteln, um die Schultermuskulatur zu stärken (ähnliche Bewegung wie beim Anheben des Gewehrs). Auch Face Pulls (mit einem Band oder Kabelzug die Schulterblätter hinten zusammenziehen) fördern die hintere Schulter und aufrechte Haltung – gut gegen den Rückstoß und für stundenlanges Tragen der Büchse. Einfache Schulterkreisen-Übungen mit Theraband trainieren die Rotatorenmanschette und beugen Verletzungen vor. Für den Rumpf eignen sich klassische Planks und Supermans (Rückenstrecker in Bauchlage), um Bauch und unteren Rücken zu stärken. Ein stabiler Rumpf lässt einen im Anschlag weniger schwanken und schützt zugleich die Wirbelsäule bei längeren Tragestrecken.

  • Bein- und Ausdauertraining: Da in der Jagd oft längere Distanzen bewältigt werden, sollten Jäger Kraftausdauer in den Beinen aufbauen. Wandern mit Rucksack oder Bergauflaufen mit Gewicht trainiert nicht nur die Beine, sondern simuliert realistische Belastungen im Revier. Ergänzend sind Kniebeugen (gern auch mit Rucksack oder Gewichten) und Ausfallschritte sinnvoll, um Oberschenkel und Gesäß zu kräftigen – das hilft beim stabilen Stand auf unebenem Boden und beim Abfangen des Rückstoßes aus stehender Position. Wadenheben (Calf Raises) sollte man nicht vergessen, denn starke Waden stabilisieren den Stand, besonders beim bergauf/ab gehen.

  • Üben des Anschlags: Trockenübungen mit der eigenen Waffe können als “Krafttraining” dienen. Beispielsweise den Anschlag halten: Das Gewehr (entladen) im freien Anschlag auf Ziel halten und versuchen, 30–60 Sekunden nahezu bewegungslos zu bleiben. Das kräftigt genau die Muskeln, die beim Schuss gebraucht werden, und verbessert die Zielkontrolle. Variationen: im Knien, im Stehen ohne Auflage oder sitzend – so werden auch selten genutzte Haltemuskeln aktiviert. Ein erfahrener Wettkampfschütze berichtete, dass er statt Hanteltraining lieber solche Anschlagübungen macht, um die „richtigen“ Muskeln zu trainieren. Diese Methode kombiniert Kraft und Technik.

  • Ganzkörper-Fitness: Abseits der spezifischen Übungen sollten Jäger ein ganzheitliches Fitnessprogramm fahren. Dazu gehören Ausdauerläufe oder Radfahren (für einen niedrigeren Ruhepuls und bessere Kondition – hilfreich, weil ein ruhiger Puls die Waffe weniger zittern lässt) und auch allgemeines Krafttraining. Liegestütze, Rudern mit einer Kurzhantel (für den oberen Rücken) oder Kreuzheben in moderater Intensität bauen funktionelle Kraft auf, die beim Bergen von Wild (z.B. ein Stück Wild aus dem Wald ziehen) oder Tragen der Ausrüstung hilft. Wichtig ist, nicht nur maximal stark zu werden, sondern robust und ausdauernd: Viele Wiederholungen mit moderatem Gewicht verbessern die Kraftausdauer. So bleibt man auch am Ende eines langen Jagdtags noch schussfähig.


Fazit – Mit dem richtigen Training zur besseren Präzision


Ganz gleich, ob Sie Scheiben ins Zentrum bringen, im Einsatz einen kühlen Kopf bewahren oder auf der Pirsch sicher treffen möchten – kraftvolles Muskeltraining ist ein unterschätzter Schlüssel zur Präzision. Die wichtigsten Muskelgruppen – von starken Schultern und Unterarmen für eine stabile Waffenhandhabung bis zu einem belastbaren Rumpf und sicheren Beinen für Standfestigkeit – sollten in Ihren Trainingsplan einbezogen werden.

Wichtig dabei: Trainieren Sie durchdacht und ausgewogen.

Setzen Sie auf funktionelle Übungen, die ganze Muskelketten stärken und speziell die im Schießen relevanten Muskeln ansprechen.


Vermeiden Sie typische Fehler wie einseitiges Pumpen oder falsches Timing vor dem Schießen. Die Wissenschaft und die Praxis zeigen, dass gezieltes Krafttraining die Schießleistung fördern kann – sei es durch eine ruhigere Waffe, bessere Zielkontrolle, mehr Ausdauer bis zum letzten Schuss oder weniger Verletzungsrisiken.


Jetzt sind Sie gefragt: Packen Sie es an! Integrieren Sie die genannten Übungen in Ihr regelmäßiges Training. Schon mit zwei bis drei Einheiten pro Woche werden Sie spürbar stabiler im Anschlag und sicherer im Trefferbild.


Denn am Ende zahlt sich jede investierte Schweißperle in Form von mehr Präzision, Kontrolle und Selbstvertrauen auf dem Schießstand, im Einsatz oder im Revier aus. Gut Schuss!



Kommentare


Target One Logo
  • Whatsapp
  • Instagram
  • Facebook
  • LinkedIn

Schießstand:

Waffenschmidt Str. 2

50767 Köln-Pesch

​Tel: +49 177 4602737

Büro:

Kardorfer Str. 15 

50968 Köln 

info@targetone.com

Impressum

Datenschutz

Cookies

Kontakt
Du hast Fragen? Wir melden uns bei Dir!

Vielen Dank!

bottom of page